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Adrian Schomburg über Start-up-Leadership in der Arzneimittelentwicklung: “Das Erlernen sämtlicher Management-Fähigkeiten und -Techniken ist entscheidend – selbst wenn man sie am Ende ignoriert”.

Adrian Schomburg, 37-jähriger Molekularbiologe und Executive MBA-Absolvent der TUM School of Management

Adrian Schomburg, ein 37-jähriger Molekularbiologe und Executive MBA-Absolvent der TUM School of Management, hat schon in vergleichsweise jungen Jahren eine gleichermaßen beeindruckende wie ungewöhnliche Karriere hinter sich. Nach dem Start seiner beruflichen Laufbahn beim Pharmaunternehmen Pfizer war er seither an der Ausgründung mehrerer Start-ups und Projekte innerhalb eines weiteren großen Unternehmens beteiligt, leitete Teams und managte – eine Rolle, die Schomburg selbst als „Intrapreneur” bezeichnet.

Unter Fachkolleginnen und -kollegen genießt er damit Exotenstatus. Und seine natürliche Neigung zum Unternehmertum bildet heute die Basis für einen neuen, aufregenden Karriereschritt: Mit seinem Start-up, der Münchner Firma Eisbach Bio, die er 2019 zusammen mit dem renommierten Biochemiker Andreas Ladurner (49) gründete, verfolgt er seither noch größere Ziele.

Als sich Ende Januar die ersten Berichte über das neue Coronavirus häuften, schaute sich Schomburg die Gensequenz von Sars-CoV-2 sehr genau an. „Vor den ersten COVID-Nachrichten Anfang 2020 war es das primäre Ziel von Eisbach Bio, in Krebszellen ein Protein zu finden, ohne das Tumore nicht auskommen können, und es anschließend auszuschalten”, erläutert Schomburg. „Als uns bei der Analyse der COVID-Gensequenz klar wurde, dass das Virus ein sehr ähnliches Protein aufweist, spekulierten wir, dass einige unserer Moleküle auch gegen Sars-CoV-2 wirksam sein könnten.”

Bis heute ist diese Theorie noch nicht widerlegt. „Wenn es weiterhin gut läuft, könnten im nächsten Jahr klinische Tests folgen und aus den Molekülen ein Medikament werden”, so Schomburg. Bis es soweit ist, läuft der Regelbetrieb bei Eisbach Bio jedoch unter Extrembedingungen weiter – wie schon in den vergangenen acht Monaten.

Für Schomburg als Geschäftsführer des Unternehmens bedeutet das, sich der Herausforderung zu stellen, sein Team trotz der stark gestiegenen Arbeitsbelastung weiter zu motivieren und alle Ressourcen bereitzustellen, die für das Projekt notwendig sind. Für solche Aufgaben, wie auch die Weiterentwicklung seiner Führungsqualitäten und Management Skills, war der Executive MBA-Abschluss an der TUM School of Management wegweisend, so Schomburg: „Den Executive MBA zu machen war für mich unglaublich wichtig – schon allein aus folgendem Grund: Ich muss alle Methoden und Ansätze, die Sprache und die Art und Weise kennen, mit denen Manager Themen behandeln und Probleme lösen. Auch wenn ich dann beschließe, sie zu ignorieren. Hätte ich dieses Wissen nicht bis zu einem gewissen Grad verinnerlicht, wäre ich heute nicht in der Lage mich vor unsere Investoren zu stellen und ihnen zu erklären, was wir brauchen und was wir nicht brauchen. Es hat mir die Sicherheit gegeben, um sagen zu können: Ich probiere einfach aus und treffe Entscheidungen, die ich für richtig halte.”

Die Fähigkeit, Managementwissen aus der freien Wirtschaft für seine Zwecke zu abstrahieren und eigene Wege zu finden, ist für Schomburg besonders wichtig. Schließlich ist Eisbach Bio nicht wie jede andere Firma. „Wir haben weder Projektpläne noch konkrete Zwischenziele. Letzten Endes ist jeder ausschließlich unserem gemeinsamen Ziel gegenüber rechenschaftspflichtig”, erklärt Schomburg.

Der innovative Führungsstil der Gründer von Eisbach Bio gewährt der Belegschaft eher untypische Freiheiten. „Wann immer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mich um Erlaubnis bitten, sage ich Ja”, so Schomburg. „Wenn sie mich fragen, ob sie eine Gehaltserhöhung bekommen können, sage ich Ja, ohne darüber nachzudenken. Jeder in diesem Unternehmen darf sein Gehalt selbst festlegen. Und jeder kann so viel Urlaub nehmen, wie er will, kommen und gehen, wie es ihm gefällt, und seine Arbeit entsprechend planen, solange sie erledigt wird.”

Was Schomburg und Ladurner im Gegenzug verlangen, sind Engagement, Initiative und intrinsische Motivation. In Anbetracht der ehrgeizigen Ziele des Unternehmens, insbesondere seit Anfang 2020, sind diese Eigenschaften sicherlich notwendig. „Als wir gemeinsam beschlossen haben, uns der COVID-Forschung zu widmen, haben wir deswegen unser Kerngeschäft nicht aufgegeben.” Stattdessen habe man das neue Projekt gewissermaßen on-top gemacht.

Schomburg zufolge ist die onkologische Forschung davon unberührt und hat sogar noch einen Gang zugelegt. „Offensichtlich bedeutet dies für alle im Team deutlich mehr Arbeit. Und es liegt an jeder und jedem Einzelnen zu entscheiden, wie das zu organisieren ist.” Natürlich weiß Schomburg, dass dabei die größte Last auf ihm liegen muss: „Wenn ich als Führungskraft gesehen werden will, muss ich auch derjenige mit den tiefsten Augenringen sein. Nur so kann ich dem Team glaubwürdig vermitteln, dass man eine solche Chance nur dann nutzen kann, wenn man bereit ist, die Extra-Meile zu gehen.”

Für den 37-jährigen Molekularbiologen hat sich diese Extrameile im Vergleich zu seinen früheren Tätigkeiten in der Industrie deutlich verändert: „Eigentlich ist es meine Hauptaufgabe bei Eisbach Bio, ein gutes Beispiel für unseren Mindset abzugeben. Dazu gehört die gesamte Öffentlichkeitsarbeit, aber auch, motivierender Ansprechpartner zu sein und dafür zu sorgen, dass alle Kolleginnen und Kollegen mit allem ausgestattet sind, was sie brauchen, um ihrem eigenen Ziel und unserer gemeinsamen Vision näher zu kommen”, betont er. „So etwas habe ich noch nie zuvor gemacht. Und es wird natürlich umso schwieriger, je größer die Organisation wird. Aber in einem kleinen Unternehmen wie Eisbach Bio macht das sehr viel Spaß und funktioniert auch gut.”

Am Ende bleibt es trotz großartiger Ergebnisse im Labor völlig unklar, ob ihr Ansatz zur Behandlung von COVID-19 funktionieren wird. Es gibt Risiken, die Gründer haben die Szenarien durchgespielt: Das Medikament von Eisbach Bio könnte in der klinischen Phase scheitern. Oder es könnte ein langfristig wirksamer Impfstoff auf den Markt kommen, der ein Therapeutikum überflüssig macht. Für Entwicklungsländer könnte das Medikament dann dennoch eine Alternative sein, argumentiert Schomburg. Schließlich sei das Medikament billiger als ein Impfstoff, leichter herzustellen und auch einfacher zu transportieren.

Und so kämpft das Team ungeachtet aller Unsicherheiten weiter. „Die bittere Wahrheit ist: Entweder funktioniert das, was wir hier tun – und das ist leider sehr unwahrscheinlich – oder es funktioniert nicht. Und wenn es nicht funktioniert, dann waren alle unsere Bemühungen vergeblich. Die Tatsache, dass es immer noch eine Chance auf Erfolg gibt, eine Chance, Menschen von diesem Virus zu heilen – so gering sie auch sein mag – treibt uns an.”

 

Neue Wege im Management zu beschreiten, mit neuen Methoden, um zu führen und Wirkung zu erzielen, wie es unsere Executive MBA-Absolventen tun, ist eine große Herausforderung. Unsere Executive MBA-Programme sind darauf ausgerichtet, Sie mit all den Werkzeugen und Kenntnissen auszustatten, die Ihnen dabei helfen, unsere nächste Erfolgsgeschichte zu schreiben und gleichzeitig Unternehmen an der Schnittstelle von Management und Technologie zu führen. Bewerbungen für den Programmstart im Frühjahr 2021 sind aktuell möglich.

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